BDS Wahlarena – Augusta quo vadis

Datum

Augusta, quo vadis?

Am 16. Januar 2026 fand im Ringhotel Alpenhof in Augsburg die BDS-Wahlarena unter dem Titel »Augusta, quo vadis?« statt.

Wahlarena

Eingeladen hatte der BDS Ortsverband Augsburg, der mit der Veranstaltung das erste direkte Aufeinandertreffen der OberbürgermeisterkandidatInnen zur Kommunalwahl 2026 organisierte.

Das Format hat Tradition im Ortsverband und reiht sich an eine Serie von erfolgreichen Oberbürgermeister-Duellen.

Respektvolle Diskussion

In einem offenen und respektvollen Rahmen stellten sich 6 KandidatInnen den Fragen zu den zentralen Zukunftsthemen der Stadt. Im Fokus standen insbesondere wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Standortfaktoren, Fachkräftemangel, Stadtentwicklung sowie die Rolle Augsburgs im Spannungsfeld zwischen Strukturwandel und Wachstum. Die Besonderheit des Formats lag in seiner Unmittelbarkeit: Die Diskussion ist live, ohne Filter und ohne vorab abgestimmte Fragen, auch gab es keine »Delete« Taste, mit der zu schnell gesagtes zurückgenommen werden konnte. Hier wurden Messlatten festgezurrt, an denen sich die Teilnehmer später messen lassen.

Unterschiedliche Herangehensweise

Moderiert wurde die Wahlarena von Jan Klukkert (Journalist und Anchorman, a-tv), der die Diskussion souverän leitete und gezielt Wirtschafts- und Unternehmerthemen in den Mittelpunkt rückte. Dabei war es nicht leicht hier konkrete unternehmerrelevante Positionen einzufordern und Unterschiede zwischen den KandidatInnen sichtbar zu machen, da diese immer wieder gerne auf populistische Wahlkampf-Themen, wie z.B. die leidigen Schultoiletten schwenken wollten.

Einig war man sich, dass ÖPNV/Erreichbarkeit der Innenstadt und bezahlbares Wohnen, respektive ausreichender vorhandener Wohnraum der Schlüssel für die wirtschaftliche Zukunft der Stadt ist. Die Unterschiede bei den KandidatInnen lag in den Herangehensweisen an das Problem, bzw. dessen Lösung. Gerade auch diese einzelnen Auftritte spiegelten die unterschiedlichen Charaktere und politischen Stile wider:

Eva Weber

Amtsinhaberin Eva Weber (CSU) überzeugte mit ihrer Erfahrung, einem breitem Wissen über Verfahrens- bzw. Verwaltungsvorgänge und mit gelassener Souveränität. Sie sieht Vieles auf einem guten Weg. Sie betont, dass Problemzonen bekannt sind, aber zu wenig auch über die Sachen gesprochen wird, die hervorragend funktionieren. Bestnoten im Städtevergleich, im Bezug auf die Digitalisierung in der Verwaltung, der inneren Sicherheit oder beim »Glücksindex« gäben ihr Recht. Bei der Herangehensweise an die Einzelhandels-Leerstände in der Innenstadt blieb sie unkonkret und verwies auf laufende Gespräche.

Florian Freund

Florian Freund (SPD) gab den Konterpart und warf der OBin vor, die letzten 6 Jahre schönzureden und mit Zuckerguss zu überziehen. Er will an die finanziellen Rücklagen der Stadt, um schnell die Problemstellen zu beseitigen und wiederholt dabei aber leider auch mehrfach das Narrativ »Augsburg wieder in Ordnung bringen zu wollen« was bei manchem Zuhörer nicht gut ankam, erinnerte es doch an das postfaktische MAGA und Narrative anderer populistischer Parteien.

Martina Wild

Martina Wild (Bündnis 90/Die Grünen) baut auf die Bedeutung strategisch eingesetzter Fördermittel für eine Weiterentwicklung der Stadt. Anhand einiger Beispiele stellte sie deren Potential dar und ja, auch die 340 Millionen Euro, die in den letzten 6 Jahren in die Schulsanierung geflossen sind gehören zu weichen Standortfaktoren. Die aktuelle 2. Bürgermeisterin vermittelte stets spürbar Einigkeit mit Ihrer CSU-Kollegin und würde wohl gerne in dieser Konstellation die nächsten 6 Jahre weiterregierten.

Hannes Aigner

Hannes Aigner (Freie Wähler) präsentierte sich sachlich und authentisch. Der erfolgreiche Kanute und mehrfache Weltmeister, Europameister und Olympia-Medalliengewinner, setzt auf Pragmatik und massiven Wohnungsneubau. Sieht hier vor allem auch den Schlüssel in der städtischen WBG. Beim ÖPNV setzt er auf eine engere Taktung um ihn attraktiver zu machen, aber das Auto muss eine Alternative zur Erreichbarkeit der Innenstadt bleiben.

Elisabeth Wiesholler

Elisabeth Wiesholler (Die Linke) setzt hier eher auf den vorhandenen Bestand an Wohnungen und plädiert gegen den Wohnungsleerstand nicht nur mit Strafen sondern auch ggfs. mit Enteignung zu reagieren, was kurz für Raunen im Publikum sorgte. Auch die Sanierung in bezahlbaren Wohnraum sprach sie an, die aktuell gängige Luxussanierung von Altbauten schade massiv der Mietpreisentwicklung. Der ÖPNV-Ausbau ist für sie alternativlos, auch aus ökologischer Sicht. 

Iris Steiner

Iris Steiner (FDP/Pro Augsburg) gab sich nahbar und offen für alle Lösungen, solange man diese auch angeht. Eigene faktische Lösungsansätze hatte sie nicht dabei, betonte aber, dass sie pragmatisch und undogmatisch jeden Ansatz verfolgen will und auch neue, kreative und bisher nicht abgedachte Wege einschlagen wird. In der Diskussion gab sie der amtierenden Oberbürgermeisterin unaufgefordert mehrfach recht, was im Publikum mitunter zu einem Schmunzeln führte und der Frage, ob da nicht schon über Koalitionen nachgedacht wird.

Fragen über Fragen

Auch das Publikum wurde aktiv eingebunden. Einige, wenige Fragen aus dem Saal unterstrichen, wie eng Kommunalpolitik und Verwaltung mit dem Alltag der Bürgerinnen und Bürger verbunden sind. Insgesamt blieb die Diskussion sachlich, konzentriert und respektvoll, ohne Provokationen und emotionale Spitzen. Ein Frager zeigte sich dann noch besorgt über den menschlichen Umgang der KandidatInnen untereinander.

Die BDS-Wahlarena bot damit eine fundierte erste Orientierung im beginnenden Kommunalwahlkampf. Unterschiedliche Lösungsansätze waren erkennbar und zeigte, dass politische Auseinandersetzung auch konstruktiv, differenziert und dialogorientiert geführt werden kann.

Der Autor dieses Berichts blieb aber in einem Punkt sprachlos zurück, als Eva Weber, Martina Wild und Stadtrat Florian Freund zugeben mussten, dass eine engere Taktung beim ÖPNV längst im Stadtrat beschlossen ist, aber die swa, immerhin ein städtisches Tochterunternehmen, die Umsetzung bislang komplett ignoriert. Das wirft Fragen auf.
-JK-

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