Starkregen, Stürme, Wetterkapriolen: Das Klima auf der Erde ändert sich. Über die Folgen wird weltweit kontrovers diskutiert. Beim BDS-Unternehmertreff in der SGL-Arena Augsburg gewährte Klimaexperte Tobias Grimm interessanten Einblicke in den globalen Klimawandel.

Tobias Grimm von der Munich RE bot einen kompakten Überblick über aktuelle Trends in der Klimaforschung und der internationalen Energiepolitik. Foto: Axel Heise

29. August 2005: Hurrikan Katrina trifft mit voller Wucht auf New Orleans; 29. Oktober 2012: Hurrikan Sandy überzieht den US-Bundestaat New Jersey mit einer Spur der Verwüstung; 3. Juni 2013: Die Donau erreicht in Passau einen Rekordpegel von 12,89. „Die Anzahl der Unwetterereignisse steigt insgesamt nicht an, aber wir beobachten eine Zunahme bei der Heftigkeit“, erklärt Tobias Grimm, Senior Projektmanager Klimawandel bei der Münchener Rück.

Klimagipfel im ersten kohlendioxidneutralen Stadion der Welt
Gemeinsam hatten der BDS Bayern und der BDS-Ortsverband Augsburg zum „Klimagipfel“ in die SGL Arena im Süden der Fuggerstadt geladen, dem ersten kohlendioxidfreien Fußballstadion der Welt. Nach einer informativen Führung durch VIP-Räume, vorbei am grünen Rasen erläuterte Karl-Heinz Viet von den Stadtwerken Augsburg im Keller des Stadions den Selbständigen das Herz des klimaneutralen Energiekonzepts: Ein aufwändiges System aus Wärmepuffern, Wärmepumpen, einer intelligente Rasenheizung mit Grundwasser sowie eine Bioerdgas-Anlage sorgen dafür, dass kein VIP frieren muss und der Rasen auch im Winter grün bleibt.

Derzeit sind solch klimafreundlichen Anlagen wie die SGL-Arena allerdings ein „Tropfen auf den heißen Stein“, referierte anschließend Tobias Grimm von der Munich RE. Ungebremst steigt weltweit der Kohlendioxidausstoß.

Auffallend nüchtern beleuchtete der Klimaexperte die Auswirkungen des Klimawandels auf den Menschen und die Versicherungswirtschaft: „Wir beobachten seit Jahrzehnten einen Anstieg der Schäden durch Unwetter, von denen wir als Rückversicherer selbstverständlich auch betroffen sind. Beim Hurrikan Katrina traten versicherte Schäden von 62 Milliarden Dollar auf“, legte Grimm dar.

Marktwirtschaftliches Design für EEG
Für unabdingbar hält der Klimaexperte einen Ausbau der Erneuerbaren Energien, warnt aber das bestehende Erneuerbaren-Energien-Gesetz einfach „weiterlaufen“ zu lassen: „Hier brauchen wir ein marktwirtschaftlicheres Design“, ansonsten bestünde die Gefahr, dass die Energiepreise in die Höhe schnellen.

Von einer Renaissance der Atomenergie hält Grimm nichts: „Bei vielen Atomkraftprojekten laufen die Kosten völlig aus dem Ruder“, eine indirekte Subventionierung durch garantierte Abnahmepreise wie derzeit in Großbritannien angedacht „werde am Ende für den Steuerzahler ziemlich teuer“.

Ebenfalls keine nachhaltige Strategie sei das so genannte „Fracking“, das derzeit die Energiemärkte elektrisiere. Bei diesem Verfahren wird im Gestein gespeichertes Erdgas mittels Wasser und Chemikalien gelöst: „Die Vorkommen sind nach einem ersten Förderboom relativ schnell ausgebeutet.“ Er hält es nicht für ausgeschlossen, dass sich inzwischen beim Fracking eine Spekulationsblase entwickele und der vermeintliche Rohstoffsegen im Mittleren Westen der USA nur von kurzer Dauer sein werde.

Energie dort erzeugen, wo es am effizientesten ist
Von der Politik forderte Tobias Grimm verlässliche Rahmenbedingungen, dann bestünde auch für das Desertec-Projekt im Norden Afrikas mehr Planungssicherheit. „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Zukunft der Erneuerbaren Energien darin liegt, die Energie dort zu erzeugen, wo sich diese am effizientesten produzieren lässt, also etwa die Erzeugung von Solarstrom in Nordafrika.“ Wenig bekannt sei in Deutschland, dass die arabischen Golfstaaten längst begonnen haben, sich neben Erdöl und Erdgas im Bereich der Solarenergie ein zweites Standbein aufzubauen.

„Wir hoffen, Sie konnten von dieser ersten BDS-Klima-Veranstaltung etwas mit nach Hause nehmen, schließlich sollten gerade Selbständige und mittelständische Betriebe die Energiewende als Chance sehen, selbst Energie zu erzeugen“, sagten Markus Droth, Hauptgeschäftsführer des BDS Bayern.

Rolf D. Neuburger, der Vorsitzende des OV Augsburg überreichte den Referenten traditionell zum Dank und zur Erinnerung an den gelungenen Abend „Die wahre Geschichte“ von Klassikradio.

30.10. 2012