Ort:
St. Nikolausstr. 4
86450 Zusamzell
Referent/in/en:
Karl-Fritz Kraus
Geschäftsf. Gesellschafter

Die Fotos (Doris Engel) lassen sich durch Anklicken vergrößern.

Die K-K Holzbearbeitung in Zusamzell ist der überzeugende Beweis, warum inhabergeführte Unternehmen die Basis der deutschen Wirtschaft sind. Vorausgesetzt man lebt die alten Tugenden des Unternehmertums:
· Höchste Qualität in Produkt und Service
· Gesundes Wachstum
· Klare Alleinstellungsmerkmale
· Zufrieden Mitarbeiter
· Gesunde Finanzierung.

Karl Fritz Kraus vermittelte die erfolgreiche Entwicklung über die letzten 50 Jahre am Beispiel der chronologischen Gebäude-Erweiterungen. Der Gründer war Handwerker, er folgte keiner theoretischen Unternehmens-Strategie. Er hatte aber klare Vorstellungen, was er wie machen wollte – und das mit typisch schwäbischer Gründlichkeit.

Am 1. Mai 1954 gründete der Vater im umgebauten Kuhstall eine Schreinerei zur Herstellung von Fenstern, Türen und Möbeln, also Produkten, für die in der Aufbauphase nach dem Krieg ein wachsender Markt entstanden war.

1962 eröffnete eine Tante in Gersthofen einen Textilladen und benötigte eine Ladenausstattung. Daraus entwickelte sich ein wesentliches Standbein des Unternehmens mit Kunden bis Augsburg , Ulm, Kempten.

1967 begann das befreundete Unternehmen LELY in Bäumensheim, Hersteller von Landmaschinen, die Fertigung von Wohnwagen und benötigte einen verlässlichen Zulieferer für die Innenausstattung. Dies war die historische Chance für ein weiteres Standbein, mit dem man sich inzwischen die Marktführerschaft erarbeitet hat.

1969 stärkte als zweiter Kunde, Europas größter Wohnwagenhersteller, die Hymer-Gruppe, die K-K Kraus Holzbearbeitung und ist bis heute ein zufriedener Kunden.

Es gab aber auch gewaltige Einbrüche in der Firmengeschichte.

1970 ging LELY in Konkurs – für das junge Unternehmen in Zusamzell eine Katastrophe. Glücklicherweise konnte man eine Reihe von Wohnwagen inkl. der Briefe bekommen, bevor sie in die Konkursmasse fielen. Das Überleben war gesichert.

LELY wurde dann von Fendt in Marktoberdorf übernommen. Fendt Caravan in Mertingen ist noch heute zufriedener Kunde.

Wesentliche Erkenntnis war, dass man sich nicht von einem Kunden abhängig machen darf, auch wenn es noch so gut läuft. In der Folge akquirierte man gezielt weitere Kunden: Dethleffs in Isny, TE in Mühlheim etc.

1983 bekam K-K Kraus Holzbearbeitung den Auftrag, die Raiffeisen Bank in Altenmünster umzubauen. Da eigenes Know How fehlte, kooperierte Karl Fritz Kraus mit einem auf Banken spezialisierten Planungsbüro in München. Diese befruchtende Kooperation begründete die 3. Säule des Unternehmens. Mittlerweile hat K-K Kraus Holzbearbeitung über 200 Banken umgebaut und eingerichtet.

Auf 3 gesunden Säulen entwickelte sich die Kompetenz des Unternehmens. Aber der Wettbewerb wurde härter. Um auch Sonderwünsche der Kunden erfüllen zu können, entschied man sich für riesige Investition in eine CNC-Fräse. Plötzlich spielte man in der Oberliga mit und war in der Lage, nicht nur Kunden mit hochwertigen Produkten beliefern zu können. Man entwickelte sich z.B. im Wohnwagen-Segment zum kompetenten Berater der Kunden bereits bei der Produktplanung.

Die inzwischen auf 19 CNC-Fräsen ausgebaute Kapazität ergänzte man durch eine Produktionslinie zur Oberflächenbearbeitung inkl. Lackiermaschinen für hochwertige Lösungen.

Eine wesentliche Komponente für Spitzenqualität ist neben modernen Produktionslinien hochwertiges Material. Im Wohnwagenbereich braucht man extrem leichte aber astfreie und hochbelastbare Hölzer. Hierfür verarbeitet man ausschließlich tropische Hölzer. Diese werden in klimatisierten Lagerhallen auf die Weiterverarbeitung vorbereitet, damit bei der High Tech Produktion die Millimeter genauen Tolleranzen garantiert erreicht werden.

1996 war das persönlich schwierigste Jahr in der Firmengeschichte. Die Konjunktur im Caravanbereich ging zurück. Die großen Investitionen in Maschinen und Gebäude drückten erheblich. Der Firmengründer fiel durch eine plötzliche Krankheit unwiderruflich aus.

Karl Fritz Kraus, der Sohn des Firmengründers, der seit 1978 in der Unternehmensleitung die Geschicke mitgestaltet hatte, trug plötzlich die Alleinverantwortung.

Er strukturierte gravierend um. Einkauf, Produktion und Vertrieb verteilte er auf mehrere Schultern. Zwei bewährte Meister verstärkten die Geschäftsleitung. Die Verwaltung bekam die dem gewachsenen Unternehmen angemessene Struktur – inkl. eines neuen Verwaltungsgebäudes.

So feierte K-K Kraus Holzbearbeitung 2004 das 50-jährige Firmenjubiläum mit den Mitarbeitern, Kunden und viel Prominenz. Die Festrede hielt der damalige Bayerische Wirtschaftsminister Wiesheu. Der Präsident des BDS/DGV Bayern, Prof. Dr. Wickenhäuser, gratulierte dem Firmengründer, für den dieser Tag die Bestätigung war, dass er vor 50 Jahren die richtige Entscheidung getroffen hatte, nämlich sich, sich selbstständig gemacht zu haben.

Der Umsatz beträgt mittlerweile ca. 10 Mio Euro pro Jahr.
Man beschäftigt ca. 100 Mitarbeiter/innen.
Die Hallenflächen summieren sich auf ca. 7.000 qm.
Die Kunden im Caravanbereich sind auf 10 angewachsen (3 im Ausland).

Im August dieses Jahres verstarb der Firmengründer. Er hat die Ereignisse der letzten Jahre leider nicht mehr in vollem Umfang mitbekommen. Da sich sein Zustand seit dem Jubiläum ständig verschlechtert hatte.

Die anschließende Betriebsführung vermittelte, was Qualität bei K-K Kraus Holzbearbeitung konkret bedeutet: Edelste Hölzer – klimatisierte Lagerung – Handarbeit diffiziler Teile – High-Tech bei der Bearbeitung der Rohlinge – unterschiedlichste, dreidimensionale Ausformungen – Oberflächenbehandlung – Lackierungen.

Höhepunkt war der weihnachtliche Abschluß mit Glühwein, Bratwürstchen und Weihnachtsgebäck. Hier konnten die begeisterten Besucher gemütlich in die Nacht hinein ihre Unterhaltung freien Lauf lassen. Die letzten machten gegen Mitternacht die Kerzen aus.

Danke an Ulrike und Karl Fritz Kraus für diesen gelungenen Abend.

Rolf D. Neuburger