Wegen der sehr niedrigen Eigenkapitalquote mittelständischer Unternehmen ist die Finanzierung über Fremdmittel immer kritischer.

Es gibt allerdings mehr Möglichkeiten, als man gemeinhin glaubt.

Ort:
IHK Schwaben
Raum Welser
Stettenstraße 1-3
86150 Augsburg
Referent/in/en:
Marcus Wagner
Geschäftsfeldleiter IHK Schwaben

Chefsache: Finanzierung

Die wesentlichen Aspekte des Vortrages bilden wir in der Folge ab, weil diese für viele Unternehmer höchst relevant sind.

1. Mezzanines Kapital
Das Wort „mezzanino“ stammt aus dem Italienischen und bedeutet „Zwischengeschoss“. Mit der Metapher ist Kapital gemeint, das zwischen dem Eigen- und dem Fremdkapital auf der Passivseite der Bilanz steht. Es sagt nichts über den Kapitalgeber aus! Kapitalgeber kann ein Kreditinstitut, eine Beteiligungsgesellschaft oder ein Privatmann sein. Ob das Kapital beim Eigen- oder beim Fremdkapital bilanziert werden muss, hängt von der rechtlichen Ausgestal-tung ab. Die bekanntesten Formen mezzaninen Kapitals sind die stille Beteiligung, Genussrechte und das Nach-rangdarlehen. In Finanzkreisen wird dieses Kapital trotz Bilanzierung unter Fremdkapital als „wirtschaftliches Eigen-kapital“ angesehen, wenn bestimmte Bedingungen getroffen wurden. Hierin liegt die wesentliche Bedeutung dieser Finanzierungsform: Erhöhung der Eigenkapitalquote, um zukünftig weiteres Fremdkapital zu erhalten.

2. Private Equity
Private Equity bedeutet privates Beteiligungskapital. Das Gegenstück ist Public Equity, öffentliches Beteiligungs-kapital, das über die Börse beschafft wird. Private Equity ist ein Überbegriff, der nicht exakt definiert ist. Gemeint ist i.d.R., dass der Kapitalgeber eine Beteiligungsgesellschaft, ein anderes Unternehmen (strategischer Investor) oder ein Privatmann ist und eine größere Summe im Raum steht. In der Ausgestaltung handelt es sich meist um mezzanines Kapital. Auf Grund der Höhe der Summe sowie aus steuerrechtlichen Erwägungen werden i.d.R. Mitspracherechte vom Geldgeber verlangt. Dabei gilt: Je höher das Risiko, desto größer ist der Mitsprachewunsch und die Renditeerwartung. Indes wird beides bei jedem Vertrag individuell ausgehandelt und vereinbart.

3. Private Debt
Private Debt bedeutet private Schuld. Wie bei Private Equity geht es um Finanzierungen außerhalb des Ban-kensektors. In angelsächsischen Ländern ist die Kreditfinanzierung von Unternehmen durch Kredite von ande-ren Unternehmen bei kleineren Beträgen gängige Praxis. Auch hier stehen mezzanine Gestaltungen im Vor-dergrund. Da die Beträge kleiner sind, werden neben Informationsrechten üblicherweise keine Mitspracherech-te vereinbart. Bilanziell handelt es sich eher um Fremdkapital. Typisches Beispiel: Nachrangdarlehen.

4. Private Placement
Private Placement bedeutet private Platzierung. Es ist eine besondere Ausprägung von Private Debt. Das Un-ternehmen finanziert sich über einen breiten Anlegerkreis außerhalb der Börse. Bei der mezzaninen Ausgestal-tung dominieren Genussrechte bzw. Genussscheine. Es handelt sich um eine Vereinbarung zwischen Unter-nehmer und Geldgeber, wobei letzterer Geld gibt, der Unternehmer im Gegenzug gewisse „Genüsse“ einräumt. Es besteht keine gesetzliche Regelung, wie die Vereinbarungen aussehen müssen. Allerdings müssen zur An-erkennung als mezzanines Kapital in Bankenkreisen wiederum bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. Entsprechend ihrer Ausgestaltung gleichen Genussscheine mehr einer Aktie oder einem verzinslichen Wertpa-pier. In der Regel können sie wie Aktien bereits ab einem geringen Betrag erworben werden, räumen aber al-lenfalls Informations- und keine Mitspracherechte ein. Im Gegensatz zum Genussrecht ist der Genussschein ein Wertpapier, d.h. die Vereinbarung wird verbrieft und damit leichter veräußerbar.
Die Anleger können sich z.T. ab 1000,- € am Unternehmen für einen Zeitraum von 5 + x Jahren bei einer jährli-chen Rendite von durchschnittlich 6-8% beteiligen. Bis zu 100.000 € können in Deutschland ohne die Geneh-migung eines Emissionsprospektes durch die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) platziert werden. Der Unternehmer überlegt sich bei dieser Größenordnung am Besten selbst, wen er über welche Kommunikationsmittel erreichen will.

5. Beteiligungsgesellschaften
Es gibt verschiedenste Formen von Beteiligungsgesellschaften. Manche konzentrieren sich nur auf die Beteiligung in einer bestimmten Unternehmensphase, wie z.B. Venture Capital Gesellschaften (sog. VC-Fonds), die vor allem Unternehmen „kurz vor dem Durchbruch“ in sehr chancenreichen, wachstumsstarken Branchen – selten auch in der Gründungsphase – adressieren. Auf Grund des hohen Risikos in dieser Phase handelt es sich um sehr teue-res Kapital; hohes Risiko, hohe Renditeerwartungen. Andere Beteiligungsgesellschaften finanzieren sämtliche denkbaren Unternehmensphasen (Gründung, Wachstum, Krise, Insolvenz, Nachfolge), steigen aber erst ab ei-nem bestimmten Finanzierungsvolumen, z.B. ab 10 Mio. €, ein. In fast jedem Bundesland gibt es eine Beteili-gungsgesellschaft, an der das jeweilige Bundesland, IHK` s und Kreditinstitute Gesellschafter sind. Diese Beteili-gungsgesellschaften, wie in Bayern die BayBG, sind auf den Mittelstand ausgerichtet. Sie steigen ab einem Betei-ligungsvolumen von ca. 250.000 € ein. Die Renditeerwartungen liegen unter denen von typischen VC-Gesellschaften. Auch hier verbietet sich „Schubladendenken“. Jedes Jahr werden neue Beteiligungsgesellschaf-ten gegründet; jede Beurteilung bedarf der vorigen Auseinandersetzung mit der jeweiligen Gesellschaft.

6. Was kostet Beteiligungskapital?
Wie bereits unter 5. beschrieben, ist grundsätzlich zwischen der Art der Beteiligungsgesellschaft zu unterschei-den. Vielfach werden die Konditionen der Gesellschaften missverstanden. So wird nicht selten behauptet, eine Gesellschaft würde 25% Rendite im Jahr verlangen. Dabei ist hier Rendite als Schlussbetrachtung für den Be-teiligungszeitraum von i.d.R. fünf bis sieben Jahren gemeint, die sich aus den drei Komponenten fester Zins, variable Vergütung und „Verkaufserlös“ / Rendite aus der Steigerung des Unternehmenswertes (sog. Equity Kicker) ergibt. Typischerweise wollen Beteiligungsgesellschaften für den Mittelstand folgende Konditionen:

a) ca. 9% jährlich fester Zins.
b) ca. 3% jährlicher gewinnabhängiger Zinsaufschlag, max. in der Höhe der Beteiligung.
c) 20 bis X% des eingesetzten Nennbetrages bei Rückzahlung der Beteiligungssumme am Laufzeitende, in der Regel mit speziellen Ausstiegs- oder Verkaufsklauseln
Diese Regelungen gelten jedoch nicht für sog. „offene Beteiligungen“, bei denen der Investor Gesellschaftsan-teile erwirbt und ausschließlich beim „Verkaufspreis der Anteile“ seine Rendite erwirtschaftet.

7. Welche Mitspracherechte sind üblich?
Wie unter 2. und 4. dargestellt, hängt der Mitsprachewunsch sehr stark vom Finanzierungsanlass, der Übernahme von Risiken sowie der Höhe des eingesetzten Kapitals ab. Beteiligungsgesellschaften, die sich vornehmlich im Mittelstand engagieren, wollen bei den für das Unternehmen wesentlichen Entscheidungen mitreden. Hierzu ge-hören z.B. die Änderung des Unternehmensgegenstandes, die Veräußerung des Unternehmens, der Beginn neu-er oder die Beendigung bestehender Geschäftszweige, die Gewährung von Pensions- und Versorgungszusagen an Gesellschafter etc. .

8. Typisch stille und atypisch stille Gesellschaft
Die typisch stille Gesellschaft ist in §§ 230 ff. HGB geregelt. Sie unterscheidet sich im Wesentlichen von der atypisch stillen Gesellschaft, die diesen Status durch die entsprechende vertragliche Ausgestaltung erhält, in steuerlicher Hinsicht. Der atypisch stille Gesellschafter ist Mitunternehmer und kann somit Verluste aus der Beteiligung mit positiven Einkünften aus anderen Einkunftsarten verrechnen, damit seinen Gewinn schmälern und die Steuerlast senken. Hier sind bestimmte Mitspracherechte sogar erforderlich, um gegenüber dem Fi-nanzamt die „Mitunternehmerinitiative“ nachzuweisen.

9. Welche Finanzierungsform sollte man wählen?
Schematismus ist hier fehl am Platz. Entscheidend ist das einzelne Unternehmen und die Höhe des Kapitalbe-darfs. Manche Finanzierungsformen, wie z.B. Asset Backed Securities (eine besondere Form des Forderungs-verkaufs) sind unter Berücksichtigung der damit verbundenen Verwaltungskosten erst ab einem Finanzierungs-volumen von 50 Millionen Euro und mehr rentabel. Deshalb gilt es sich mit den verschiedenen Finanzierungs-möglichkeiten auseinander zu setzen und schließlich für die passende zu entscheiden. Die IHK Schwaben be-rät Sie hierbei gerne.

10. Fördermittel
Vielfach wird unter Fördermittel ein sogenannter „verlorener Zuschuss“ verstanden. Gemeint ist damit ein staat-licher Finanzierungszuschuss, der nicht zurückbezahlt werden muss. Angesichts der desolaten Finanzsituation bei Bund, Ländern und Kommunen werden solche Mittel stark eingeschränkt. In Bayern sind hier besonders die Regionalförderung über die einzelnen Regierungen, das BayTOU und der I&K – Zuschuss zu erwähnen. Aller-dings haben die Träger stets den Entscheidungs- und Ermessensspielraum. Die wesentlichen Fördermittel für Unternehmen sind die zinsgünstigen Darlehen und mezzanines Kapital der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie der Landesanstalt für Aufbaufinanzierungen (LfA).