Einer der größten PC-Hersteller der Welt hat seinen Sitz in Augsburg. Entwicklung, Produktion und Vertrieb sind zwar in Augsburg angesiedelt. Das weltweite Netzwerk eines globalen Herstellers bestimmt aber die praktischen Aspekte der Tagesarbeit.
Ort:
Fujitsu Siemens Computer GmbH
Bürgermeister-Ulrich-Str. 100,
86199 Augsburg
Referent/in/en:
Peter Esser, Geschäftsführer

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Der „BDS-Unternehmer-Treff“ bei Fujitsu Siemens Computers war hoch informativ und glänzte durch eine außergewöhnliche Bewirtung. Die über 70 Teilnehmer waren voll des Lobes und baten um „Wiederholung derartiger Veranstaltungen“.

Peter Eßer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Fujitsu Siemens Computers GmbH und Executive Vice President Volume Products & Supply Operations ließ es sich nicht nehmen, sein Unternehmen und die brisante Thematik persönlich zu präsentieren.

Fujitsu Siemens Computers – kurz FSC – hat Fujitsu und Siemens zu je 50% als Eigner. Beide Gesellschafter überlassen das Tagesgeschäft dem Vorstand, so dass die Vorteile der deutschen Siemens und der japanischen Fujitsu voll genutzt werden können.

Kurz einige Fakten:
– Gründung 1999
– Anbieter der kompletten IT-Infrastruktur (mobile Systeme bis zu High-End Server und Storage-Lösungen)
– 6,65 Mrd. Euro Umsatz im Geschäftjahr 2005/2006 (FSC)
– Rund 11.200 Beschäftigte (Stand April 2006 – FSC + FSC ITPS)
– Vertreten in allen Märkten Europas, des Nahen Ostens und Afrikas
– Marktführer in Deutschland
– Wettbewerbsfähige Entwicklung und Produktion in Deutschland
– Strategische Ausrichtung auf Business Critical Computing, Mobility und Digital Home
– FSC vertreibt ihre Produkte und Lösungen direkt an Großkunden und indirekt über Distributoren und Händler an den Mittelstand und die Endverbraucher

FSC kann im Hochpreisland Deutschland profitabel entwickeln und produzieren, weil es den mehrfach ausgezeichneten Supply Chain Management Prozess konsequent umsetzt. Im Vergleich der reinen Produktionskosten wäre Deutschland nicht konkurrenzfähig. Für FSC stehen allerdings die unterschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen Kunden im Mittelpunkt. Die Kette der Einflussfaktoren ist deshalb lang: Vorlieferant – Lieferant (intern / extern) – FSC selbst – interner oder externer Kunde – Endkunde.

Durch die enge Abstimmung zwischen diesen einzelnen Stationen im Prozess, durch klare Definition der Anforderungen und permanentes Kostenmanagement hat es FSC bisher geschafft, schwarze Zahlen zu schreiben.

Peter Eßer erläuterte die großen Herausforderungen an das Supply Chain Management: Flexibilität, Qualität, Liefertreue und Lieferzeit; aber auch Risiken wie Preisverfall, Währungsvolatilität, Komponenten- und Frachtraum-Verfügbarkeit zu Spitzenzeiten, und nicht zu vergessen die Kostenverursacher:
Transport (Mix aus Flug, Schiff, LKW), Verpackung, Personal, Lagerhaltung.

Ein wesentlicher Faktor gegenüber Fernost-Produktion ist die „Just-in-time“-Fertigung in Augsburg. Bei Auftragseingang ist das Herzstück des Computers, das Systemboard, das in Augsburg hergestellt wird, innerhalb von 10 Stunden an der PC-Fertigungslinie. Käme es aus Asien, würden 10 Tage vergehen.
Ein weiterer wichtiger Faktor für eine wettbewerbsfähige Produktion in Deutschland liegt in der flexiblen Wochenarbeitszeit und dem flexiblen Einsatz von Leiharbeitern. Die Stammbelegschaft arbeitet in der Produktion zwischen 6 und 8 Stunden an 4 bis 6 Tagen pro Woche, d.h. zwischen 24 und 48 Std. pro Woche. Dieses Modell wird ergänzt durch Leiharbeiter, deren Anteil von 20 % bis 60 % gehen kann. Diese hohe Flexibilität zeigt deutlich, dass es auch in Deutschland möglich ist, schnell und kostenbewußt auf eine geänderte Auftragslage zu reagieren.

Thema Qualität: Mit modernsten Produktionseinrichtungen erreicht FSC z. B. bei der Produktion von Systemboards eine Fehlerrate von 9.800 gegenüber 16.300 Fehler pro Million (Systemboards aus Augsburg vs. aus Asien).

Peter Eßer belegte in seinem Vortrag überzeugend, wie man durch konsequente Abstimmung und die Ausnutzung der individuellen Vorteile aller Teilnehmer am weltweiten Prozess konkurrenzfähig PCs in Augsburg produzieren kann: „Wir kombinieren die Vorteile asiatischer und europäischer Produktionsstätten“.

Nach diesen sehr detaillierten und überzeugenden Informationen imponierte FSC mit einem Rundgang durch die Produktion, in der in zwei Schichten gearbeitet wird.

Während des Get-Together zu Beginn und im Anschluss an Vortrag und Werksführung zeigte sich FSC von seiner großzügigen Seite. Eine außergewöhnliche Bewirtung machte das Netzwerkeln besonders angenehm und verlängerte die anschließende Diskussion bis in den späten Abend.

Der BDS Augsburg bedankt sich bei FSC, Peter Eßer und seinem Team sowie Nina Kretschmer für die hervorragende Organisation. Durch die Produktion führten Walter Degle, FSC Senior Director Production, und Walter König, FSC Director Manufacturing Network, Deskbound/Thin Clients.