Wer versucht nicht, Steuern zu sparen. Sehr oft geht es sogar legal. Einfach indem man alles nutzt, was sich so bietet. Dazu muß man allerdings Abläufe und Möglichkeiten kennen. Der Referent wird uns so manchen Hinweis geben.
Ort:
Hotel Dorint
Imhofstraße 12
Im Hotelturm
Referent/in/en:
Rainer Gross
Leiter Finanzamt Augsburg Stadt

Rainer Groß, Leiter des Finanzamtes Augsburg Stadt, hatte sich in die Höhle des Löwen gewagt – Unternehmer und Selbstständige – und tatsächlich Brücken schlagen können. Wer mehr vom Anderen weiß, tut sich leichter mit der gegenseitigen Akzeptanz.

An zahlreichen Beispielen machte Groß deutlich, dass die Bürger immer mehr vom Staat erwarten. Nach den großen Hagelschäden in der vorausgegangenen Woche z.B. standen die Telefone im Finanzamt nicht mehr still. Jeder wollte wissen, wie sich der Staat an den Schäden beteiligt. Aber neben diesen unrealistischen Erwartungen sind es Bereiche wie Straßen, Schulen und Universitäten, Polizei und Bundeswehr, aber auch Sport und Kultur, nicht zu vergessen der größte Bereich Soziales, die der Staat finanzieren muss (momentan ca. 430 Milliarden jährlich). Viel Geld. Geld, das (auch) über Steuern aufgebracht wird.

Aufgabe des Finanzamtes ist es, dieses Geld den gesetzlichen Vorschriften gemäß zu sammeln. Das Finanzamt ist also lediglich Erfüllungsgehilfe des Staates und setzt die von Politikern erlassenen Gesetze um. Bei der Komplexität unserer Steuergesetze und Vorschriften ist es für die Steuerzahler nicht immer leicht, die Vorschriften zu erfüllen und trotzdem nicht zuviel Steuern zu bezahlen.

Professionelle Hilfe leistet dabei der Steuerberater. Das Finanzamt darf nämlich nicht beraten. Es muß allerdings prüfen, ob die Angaben den Gesetzen entsprechen. Der Finanzbeamte hat hier natürlich Entscheidungsspielräume. Wichtig ist also, dass die Angaben schlüssig und nachvollziehbar sind. D.h., je besser sich der Sachbearbeiter in die spezifischen Aspekte des Unternehmens versetzen kann, um so realistischer wird er seine Spielräume ausschöpfen können. Oberstes Ziel eines Steuerzahlers sollte also ein umfangreicher Informationsfluß sein. Sich auf den Steuerberater zu verlassen, ist eins. Verantwortlich ist aber immer der Steuerzahler selbst. Also auch hier gilt: Unternehmer kommt von unternehmen, nicht von unterlassen.

Das Finanzamt Augsburg Stadt ist eines von acht bayerischen Finanzämtern mit übergeordneten Aufgaben, d.h. man bearbeitet über Augsburg hinaus eine Reihe von Steuern wie z.B. die Körperschaftssteuer.

Welche Steuern gibt es überhaupt? Umsatzsteuer (USt), Lohnsteuer (LSt), Einkommenssteuer (ESt), Kapitalertragsteuer (KapESt), Zinsabschlagsteuer (ZASt), Körperschaftssteuer (KSt), Solidaritätszuschlag (Soli). Im letzten Jahr waren es in Augsburg rund 2 Mrd. Euro. Davon bildeten die USt und die LSt den Hauptanteil.

Neben der zentralen Zuständigkeit für bestimmte Steuern, ist das Finanzamt Augsburg Stadt verantwortlich für die Steuerfahndung, für Bußgelder und Strafsachen sowie für Betriebsprüfungen.

Zzt bearbeiten ca. 420 überwiegend Beamte/innen in 32 Abteilungen ca. 115.000 Steuerfälle pro Jahr. Das sind 1-Personenfirmen genauso wie Konzerne.In 6 Betriebsprüfungs-Abteilungen erzielte jeder Prüfer ca. 2 Mio Mehrergebnis pro Jahr.

Ein Trost für die Steuerzahler: Ziel des Finanzamts ist es, die Steuern einzunehmen, die ihm zustehen. Und dies möglichst effektiv. Da die Betreibsprüfer nicht immer und überall prüfen können, werden die Betriebsprüfungen nach der Größe der Unternehmen festgelegt. Je kleiner je seltener. Also Betriebe mit 20 Mitarbeitern max. alle 10 Jahre, Großfirmen permanent, aber nicht jährlich. Jeder kann sich also ausrechnen, wann der BP vor seiner Tür steht (übrigens stets angemeldet). Was allerdings noch wichtiger ist: Je unauffälliger und schlüssiger die Steuererklärung ist, um so weniger Anlass besteht zur Prüfung. Der Prüfer soll ja Mehrergebnisse erzielen.

Daraus ergibt sich, dass das Finanzamt im Steuerzahler keinen Feind sieht, sondern einen Kunden. Dies dokumentiert sich in Stichworten wie: Servicefreundlichkeit, Servicezentrum, Anrufbeantworter, kundenfreundliche Öffnungszeiten, Infomaterial, Homepage, Steuerinfos, CallZenter (0180-1020309). Zweierteams betreuen jeweils ca. 8.000 Kunden und mit den allermeisten Kunden gibt es keine Probleme.

Das hängt natürlich eng mit der Qualifikation und dem Engagement des jeweiligen Sachbearbeiters zusammen. Auf Nachfrage erklärte Groß, dass unengagierte Mitarbeiter, die nachweislich ineffektiv arbeiten Konsequenzen tragen müssen.

So werden alle Mitarbeiter alle drei Jahre beurteilt, sie erhalten Prämien für herausragende Leistungen, die Beförderung orientiert sich an der Leistung. Die EDV macht heute detaillierte statistische Auswertungen möglich, die die Leistung belegen. Da man heute schon zu wenig Personal hat, und dies sich noch verschärfen wird (ab 1.9.04: 42 Wochenstunden), braucht man effektive Leistungsträger.

Man erreicht dies durch moderne Führungsstrategien, durch Aufwärtsbeurteilungen, Kundenbefragungen, Mitarbeiterbefragungen und ein Gesundheitsmanagement. Alles in allem sind die Perspektiven im Finanzamt auf Freundschaft ausgerichtet – wenn man akzeptiert, dass der Staat Geld braucht, um seine Aufgaben zu erfüllen. Jetzt geht es nur noch darum, dass die Politik realistische Gesetze erlässt. Der Erfüllungsgehilfe Finanzamt wird diese dann Kunden freundlich umsetzen.

War der Vortrag schon sehr aufschlussreich, so konnte Rainer Groß in der anschließenden Diskussion noch so manchen interessanten Hinweis geben. So z.B., dass die Steuerfahndung nur widerrechtlichen Aspekten nachgeht und die Ergebnisse den Gerichten zur Verfügung stellt. Z.B. Max Strauß.

Wer aufmerksam zuhörte, hat zahlreiche Informationen erhalten, wie man mit dem Finanzamt freundschaftlich auskommt und nicht mehr Steuern bezahlt, als notwendig.