„Schauen Sie, was Ihnen gut tut“, das ist das Fazit der Humanmedizinerin Dr. Reingard Herbst beim spannenden Vortrag zum Thema „Glücksspirale“ am 22. März im neuen Innovationspark Augsburg. Der Abend wurde vom BDS Ortsverband Augsburg gemeinsam mit der Augsburg Business School und dem Medienforum Augsburg e.V. veranstaltet. Und die Resonanz war großartig. Über 50 interessierte Mitglieder kamen, um Einblicke in die moderne Hirnforschung zu gewinnen.

Denn sie bietet tiefe Einblicke in die physiologischen Vorgänge bei anhaltendem negativem Stress und dessen Auswirkungen auf Körper und Psyche. In ihrem Vortrag zeigte die Ärztin die Zusammenhänge zwischen Stress, körperlicher Fitness und empfundenem Glück auf. Und sie gab viele gute Tipps, wie man eine Balance zwischen den vielen externen Ansprüchen und innerlicher Ausgeglichenheit erzeugen und damit eine Entspannung für sich entwickeln kann. Dabei spielen die Glücksbotenstoffe Dopamin, Serotonin und Endorphine eine große Rolle: Sie müssen im Gleichgewicht sein, damit man belastbar ist und die Anforderungen bewältigen kann, aber auch um Freude und Motivation in der Arbeit, mit der Familie und in der Freizeit erleben kann. Wie man diese Freude wieder erlangen kann, zeigte Referentin Dr. Reingard Herbst an bekannten, aber auch weniger bekannten Methoden auf.

Dass mehr als die Hälfte der Menschen gestresst sind und immer mehr unter Strom stehen als früher ist Fakt, wie die Stressstudie der Techniker Krankenkasse aufzeigt. Was aber stresst denn die Menschen? Mehr als die Hälfte der Männer fühlen sich durch die Arbeit gestresst und bei mehr als die Hälfte der Frauen ist es „der hohe Anspruch an sich selbst und der Spagat zwischen Arbeit und Familie“. „72 Prozent der Menschen kämpfen und halten durch“, so die Ärztin. „Das sind dann die, die bei mir in der Suchtklinik landen.“ Dabei erklärte sie den Begriff Stress genauer und unterschied zwischen positivem und negativem Stress. Bei dauerhaftem Stress, wie zum Beispiel vollem Einsatz im Beruf, aber nicht genug Anerkennung, sei man schnell erschöpft: „Das Fass ist einfach leer!“ Die Glücksbotenstoffe Dopamin und Serotonin müssen also wieder gelockt werden. Möglich sei das zum Beispiel mit guten Erfahrungen, Lob, Anerkennung, Entspannung, einem guten Essen, einem Glas Wein (aber alles in Maßen) und viel Bewegung (mindestens dreimal pro Woche).

Eine Methode, um Stress festzustellen, ist zum Beispiel eine Messung der Herz-Raten-Variabiliät (HRV). Der Sympathikus des vegetativen Nervensystems dient dabei als sog. Gaspedal, und der Parasympathikus ist die Bremse. Man kann die beiden Stränge trainieren – zum Beispiel kann gezieltes Atmen oder auch Yoga helfen, wieder zur Ruhe zu kommen.

Äußerst interessant ist die neuroelektrische Stimulation, die Dr. Herbst in ihrer Klinik anwendet, um fehlenden Botenstoffe wieder herzustellen. Hier werden zwei Elektroden auf die Haut am unteren Ohrbereich befestigt und elektrische Signale in einer bestimmten Frequenz und Amplitude gegeben. Der Mangel an Dopamin und Endorphinen im Gehirn des Patienten wird damit kompensiert und beseitigt fast vollständig die Entzugserscheinungen. Wer gestresst ist, sollte dies einfach mal ausprobieren.

Nichtsdestotrotz sollte man Stress frühzeitig begegnen und jeder sollte seinen persönlichen Weg für mehr Entspannung und Freude im Alltag finden – und zwar bewusst. Dr. Reingard Herbst gab zum Abschluss gute Anregungen mit auf den Weg: Mehr Zeit für sich selbst finden, Work-Life-Balance, Bewegung, Entspannungsmethoden, soziale Kontakte pflegen, alles, was einfach gut tut, tun. Achtsamkeitstraining, Selbstfürsorge, persönliche Stressoren herausfiltern und sich auch mal belohnen. Wenn es nicht mehr geht, sollte man dringend therapeutische Hilfe.

Nach einer kurzweiligen Stunde Eintauchen in die Welt der Glückshormone blieb für die Gäste noch reichlich Zeit, um sich mit der Referentin auszutauschen. Gutes tat man sich dann auch gleich bei einem guten Glas Rotwein und leckeren Häppchen.

Dr. Reingard Herbst ist promovierte Humanmedizinerin mit langjähriger Erfahrung in eigener Praxis. Durch zahlreiche Weiterbildungen im Bereich Naturheilverfahren, Ernährungsmedizin, Suchtmedizin, Psychosomatik und Entwicklungsneurologie kennt sie die Einflüsse auf unser Glücksgefühl sehr genau. Seit 2013 leitet sie die Privat-Klinik „NESCURE“ für Abhängigkeitserkrankungen und gibt Seminare für „NES-PRO“ im Bereich Stress- und Burnoutprävention.
[Sabine Roth]

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Gemeinsam gegen den Stress: Frank Dietrich, der Vorsitzende des BDS Augsburg, Eiko Trausch, der erste Vorstand des Medienforum Augsburg, mit der Referentin Dr. Reingard Herbst und Gerhard Ruff, dem Vorstand des Medienforum Augsburg.